URLAUB AUF DEM TELLER
Boulets à la liégeoise
Lütticher Bouletten mit Sirop de Liège
Wenn wir unterwegs sind, geht es uns nie nur darum, möglichst viel zu sehen oder die Geschichte eines Ortes zu verstehen. Mindestens genauso wichtig ist für uns auch immer das Kulinarische. Essen ist oft der direkteste Zugang zu einer Region – manchmal geplant, manchmal völlig zufällig. Ein Zufallsfund auf dem Markt, ein Klassiker in einer kleinen Brasserie oder etwas, das gar nicht regional gedacht ist, sich für uns aber untrennbar mit genau diesem Ort und dieser Zeit verbindet.
Solche Gerichte nehmen wir mit nach Hause. Nicht als Mitbringsel im Koffer, sondern als Erinnerung im Kopf – und später als Eintrag in unserem Rezeptbuch. Das Nachkochen ist dann mehr als reine Küchensache. Es ist eine Mischung aus Urlaubsnachlese und Recherche: Wie genau hieß das Gericht eigentlich? Was ist das für eine Zutat und wo bekomme ich sie? Man liest, vergleicht, passt an – immer mit dem Ziel, diesem Moment von unterwegs möglichst nahe zu kommen.
Unser Tagestrips nach Brüssel ist so ein Beispiel. Wir hatten wir das Vergnügen, im „Ballekes“ die traditionellen Boulets à la Liégeoise zu probieren – saftige Fleischbällchen mit einer süßlich-herzhaften Sauce. Die interessantesten Zutaten hierbei sind Sirop de Liège und dunkles belgisches Bier.
Unser Tagesausflug nach Brüssel:
Brüssel – Europas langweiligste Stadt? Ein Tagestrip.
Sirop de Liège und Alternativen
Belgisches Bier zu bekommen, war nicht das Problem, schwieriger wurde es beim Sirop de Liège. Es ist ein dickflüssiger Sirup aus Äpfeln und Birnen, der der Sauce die fruchtige Süße verleiht. Solltet ihr den Lütticher Sirup nicht finden, könnt ihr stattdessen auch Apfelkraut verwenden. Das ist ein dunkel eingekochter Fruchtsirup, der früher besonders in Regionen wie dem Rheinland, Lüttich und der niederländischen Provinz Limburg weit verbreitet war. Für die Herstellung werden sowohl Äpfel als auch Birnen verwendet. im Sirop de Liège ist der Birnenanteil größer und er wird meist auch mit Datteln hergestellt. In den Niederlanden ist die Alternative zu Sirop de Liège übrigens Appelstroop.
Interessant, womit man sich so beschäftigt, wenn man einmal in Brüssel eine Bulette isst. Aber genug geredet, jetzt geht es ans Kochen!
Rezept
Zutaten für die Fleischbällchen:
- 500 g Hackfleisch (wir bevorzugen Rind, gemischt mit Schwein wird es etwas saftiger)
- etwas Butter zum Anbraten
- 1 Zwiebel (fein gehackt)
- 2 Eier
- 1 EL Petersilie (bestenfalls frisch oder tiefgefroren)
- 2 Scheiben trockenes Weißbrot oder ein altbackenes Brötchen (in Wasser oder Milch eingeweicht und gut ausgedrückt)
- Salz und Pfeffer
Zutaten für die Sauce:
- 2 Zwiebeln (fein gehackt)
- 1 Knoblauchzehe (fein gehackt)
- etwas Butter zum Andünsten der Zwiebeln
- 2 EL Sirop de Liège (alternativ Apfelkraut/Appelstroop)
- 150 ml Rinderbrühe
- 2 EL Rosinen (eingeweicht)
- 1 Zweig frischer Thymian
- 2 Lorbeerblätter
- 3 Gewürznelken
- 1 Flasche dunkles belgisches Bier (alternativ Klosterbier/Bockbier)
- 1 EL Rohrzucker
- 1 EL Essig (gern auch Weinessig, Apfelessig, Balsamico, …)
- Salz und Pfeffer
Zubereitung:
Fleischbällchen
- Die Zutaten für die Fleischbällchen mischen und zu Bällchen formen (Größe und Menge nach Belieben).
- In Butter von beiden Seiten anbraten.
Sauce
- Zwiebeln in Butter glasig dünsten, dann Knoblauch hinzugeben.
- Sirop de Liège (oder Alternativen), Rinderbrühe, eingeweichte Rosinen, Thymian, Lorbeerblatt, Nelken, Rohrzucker, Essig und die Hälfte des Bieres hinzufügen und 20 Minuten köcheln lassen.
- Restliches Bier hinzufügen, mit Salz und Pfeffer würzen und ggf. mit etwas Mehl oder Speisestärke andicken.
- Die Fleischbällchen in die Sauce legen und bei niedriger Temperatur für weitere 20 Minuten köcheln lassen.
Dazu gab es bei uns Kartoffelbrei und Salat. Am Ende bleibt ein Gericht, das satt macht und genau das tut, was es soll: Es bringt ein Stück Reise zurück auf den Tisch. Die Boulets à la Liégeoise sind unkompliziert und kräftig im Geschmack – kein Schnickschnack, sondern Wohlfühlküche mit Charakter. Dieses Rezept funktioniert hervorragend zu Hause und lädt dazu ein, immer wieder gekocht zu werden.
